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So wollen Airlines den Bordabfall reduzieren

So wollen Airlines den Bordabfall reduzieren

Eine Airline verkauft auf dem letzten Flug des Tages Snacks für die Hälfte des Preises. Auch andere Fluglinien testen derzeit Ideen, um weniger Lebensmittel zu vergeuden. 

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Es beginnt schon mit der Frage „Hühnchen oder Pasta?“. Je genauer eine Fluggesellschaft den Geschmack ihrer Passagiere einschätzt, desto weniger Mahlzeiten wird sie am Ende des Fluges entsorgen müssen. Denn die Hygieneregeln der Ankunftsländer schreiben in aller Regel die Vernichtung der essbaren Reste vor. Selbst wenn sie noch original verpackt sind. Das gilt insbesondere für frisches Obst und Milchprodukte – vom Käse über Joghurt bis zur Butter.

Auf diese Weise landen jährlich Millionen Tonnen von Lebensmitteln im Müll. Der internationale Luftfahrtverband Iata schätzt, dass 2018 circa 6,1 Millionen Tonnen Bordabfall produziert wurden. Davon dürfte fast ein Viertel aus noch genießbaren Nahrungsmitteln und Getränken bestanden haben. Das ist eine Verschwendung der Ressourcen auf hohem Niveau, die zugleich jede Fluglinie bares Geld kostet.

Eurowings läutet die Happy Hour ein

Aus diesem Grund läutet Lufthansas Ferienflieger Eurowings zurzeit auf dem letzten Flug des Tages stets die Happy Hour ein und verkauft frische Esswaren wie Sandwiches oder Snacks für die Hälfte des angegebenen Preises. Die Airline verfolgt als Teil der Lufthansa Group das Ziel, bis 2030 die CO2-Emissionen im Vergleich zu 2019 auf 50 Prozent zu reduzieren und im Jahr 2050 an Bord und am Boden CO2-neutral zu werden. Daher achtet Eurowings zugleich auch verstärkt auf die regionale Herkunft des Catering-Angebots.

Dabei befindet sich der Ferienflieger in bester Gesellschaft. Schließlich war die Schwester-Airline Swiss, die die gleichen LH-Unternehmensziele verfolgt, bereits im August und September mit einem ähnlichen Catering-Konzept unterwegs. Dafür kooperierte sie mit der Ökofirma Too Good To Go. Jeweils auf den letzten Tagesflügen ab Genf gab es sogenannte Überraschungstüten mit übrig gebliebenen Snacks zu echten Schnäppchenpreisen, nur ein Drittel des Originalpreises.

Der Schweizer Presse zufolge sind laut Swiss-Manager Romain Vetter die ersten Ergebnisse der Testphase vielversprechend: „Die Initiative wurde von unseren Fluggästen mit Begeisterung aufgenommen. Wir warten auf die abschließende Testauswertung, um zu entscheiden, ob wir das Projekt auf weitere Strecken ausdehnen.“

40 Prozent weniger Essensabfälle

Was dabei nicht nur Eurowings und Swiss im Kampf gegen den Lebensmittelmüll hilft, ist der Einsatz von KI-gestützter Technologie. Die ermöglicht, die potenzielle Menüwahl der Fluggäste immer präziser einzuschätzen. Auf diese Weise hat es die Fluglinie Emirates aus Dubai geschafft, Menge und Auswahl der Gerichte so genau zu bestimmen, dass sich die Essensabfälle um bis zu 40 Prozent reduzierten, ohne die Angebotsvielfalt für die Gäste einzuschränken.

Qatar Airways hat sich für eine ähnliche Vorgehensweise sogar eine App maßschneidern lassen. Nach jedem Flug trägt die Crew darin die nicht verzehrten Menüs ein. So wird die Treffgenauigkeit der Kundenpräferenzen ständig optimiert. Zudem beschließt die Airline aus Doha grundsätzlich erst 50 Minuten vor Abflug, wie viele Mahlzeiten mit an Bord gehen. Diese Last-Minute-Beladung garantiert größtmögliche Flexibilität.

Essenswünsche schon vor dem Flug angeben

Der Verschwendung von Nahrung rückt auch Japan Airlines (JAL) zu Leibe. Die Idee ist dabei so einfach, dass der Laie sich fragt, warum nicht schon jeder in Zeiten von Internet das so praktiziert: Auf längeren Flügen und speziell auf Nachtflügen – so das Konzept, das seit Ende 2020 auf ausgesuchten Strecken ausprobiert wird – können die Passagiere vor dem Flug bereits online wählen, ob sie eine Mahlzeit auslassen möchten.

Appellierend an das Gewissen ihrer Passagiere nennt JAL diese Option ehrgeizig „ethical choice“. Wer diese Art von Nicht-Service in Anspruch nehmen will, muss dies lediglich 25 Stunden vor dem Abflug über die Website der japanischen Airline melden. Es gibt in diesem Fall nur Gewinner, weil die Crew weniger Arbeit hat und der Passagier ungestört durchschlafen darf. Doch gleich dreimal freut sich die JAL: Sie spart sich Geld, Gewicht und Entsorgung der übrig gebliebenen Mahlzeiten.

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Published at Wed, 09 Feb 2022 16:38:00 +0100